Umbau – auf neue Art

Erik Ix ist an diesem Donnerstagvormittag Ende April allein im ersten Stock des Verwaltungsgebäudes der Gemeindewerke Grefrath – für den Geschäftsführer ein seit vier Wochen gewohntes Bild. Denn in Zeiten von Corona ist nur noch wenig normal.
Die Tatsache, allein zu sein, beunruhigt ihn keineswegs. Im Gegenteil. Schon als die Menschen begannen, auf Distanz zu gehen, haben die Gemeindewerke weitestgehend auf „Homeoffice“ umgestellt, um einen sicheren Versorgungsbetrieb gewährleisten zu können. „Wir haben schon seit vielen Jahren ein Bereitschaftshandbuch, das wir ständig aktualisieren. Aus dem konnten wir nun  viele Maßnahmen für die aktuelle Situation ableiten“, schildert Ix. Vorrang hatte der sichere Netzbetrieb. Daher wurden die zuständigen Bereitschaftsmitarbeiter sofort aus dem Tagesgeschäft herausgenommen, um für sie das Risiko einer Ansteckung zu senken. Sie fuhren nach Hause mit allem notwendigen Werkzeug und Material. Von dort starten sie zu  ihren Einsätzen. Zwei Teams zu je drei Mann, bestehend aus einem Gas-/Wasserinstallateur, einem Elektriker und einer technischen Führungskraft, bilden eine Einheit. Sie arbeiten im Wechsel. So stehen im Krankheitsfall immer noch Mitarbeiter bereit.

Einer ist immer vor Ort

Nach und nach zogen auch viele andere Mitarbeiter ins „Homeoffice“. Das war nicht schwierig umzusetzen. Die IT der Gemeindewerke ermöglicht es, dass Mitarbeiter im Prinzip von jedem Ort aus arbeiten können. Telefonanrufe werden umgeleitet. „Der Kunde merkt es gar nicht. Wir können wie gewohnt helfen und Fragen beantworten“, sagt Ix. Der Austausch unter den Kollegen geht ebenfalls weiter. Aus Sicht des Geschäftsführers ist die Umstrukturierung der Arbeitsorganisation tadellos gelaufen. Wenn Mitarbeiter lieber im Büro arbeiten wollen, ist das auch möglich. Genug Platz, um auf Distanz zu gehen, ist vorhanden. Einer ist immer vor Ort, um im Zweifel Entscheidungen treffen zu können. An diesem Vormittag ist es Erik Ix.

Sichere Netze

Die Corona-Krise hat zahlreiche Firmen getroffen, sodass die Realisierung verschiedener Bauprojekte der Gemeindewerke zurzeit ungewiss ist. Bereits Mitte März signalisierten Tiefbau­firmen, dass sie in den Osterferien nicht arbeiten. „Ohne die Tiefbaufirmen kommen unsere Netzmonteure nicht weiter“, erklärt Erik Ix. „Mit Blick auf unseren Investitionsrahmenplan kann ich zurzeit nicht abschätzen, ob und wie wir diesen im Jahr 2020 umsetzen können.“ Problematisch sei das in Bezug auf die Versorgungssicherheit nicht: „Wir haben sehr sichere und moderne Netze. Da kann auch mal eine Maßnahme warten. Weh tut es aber, dass unklar ist, wann der Bau der neuen Lehrschwimmhalle am Hallenbad beginnen kann.“ Ebenso verzögert sich die Sanierung des Verwaltungsgebäudes An der Plüschweberei und der Bau der geplanten Nahwärmezentrale am Heudonk.

„Wir sind vorbereitet“

Eines bereitet Erik Ix Kopfzerbrechen: „Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise sind für uns noch nicht absehbar.“ Man sei im ständigen Austausch mit anderen kommunalen Energieversorgern in der Region. Eine solche Pandemie-Situation gab es in Deutschland noch nie. Sie bringt den komplexen Energiemarkt gehörig durcheinander.
Die Corona-Krise bedeutet für viele Gewerbetreibende, Händler, Gastronomen und Privathaushalte einen erheblichen Einnahmeausfall. Viele waren und sind noch zu Hause. Ihr privater Energieverbrauch steigt – und damit die Kosten. Durch Kurzarbeit oder fehlende Aufträge steht vielfach weniger Geld zur Verfügung. Wie geht man mit denen um, die ihre Rechnungen nicht bezahlen können? Großkunden fahren ihren Betrieb herunter oder stellen diesen komplett ein. Was bedeutet das für die Energiebeschaffung? „Die Gemeindewerke haben sich vorbereitet und Liquidität ins Unternehmen geholt“, erklärt Erik Ix. Denn auf Ausfälle und verzögerte Zahlungen müsse man immer vorbereitet sein. Mahnungen müssen die Gemeindewerke bei ausbleibenden Zahlungen weiterhin verschicken. Man habe aber entschieden, in der Krisenzeit weder Privathaushalten noch Gewerbekunden die Energieversorgung zu sperren. Viele andere Fragen werden sich aber erst mit der Zeit klären lassen. 

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