Mitten im laufenden Betrieb entsteht in Grefrath ein modernes, digital gesteuertes Umspannwerk – ein zentraler Baustein für die Energieversorgung der Zukunft in unserer Gemeinde.
Am Umspannwerk in Schaphausen, dem zentralen Knotenpunkt des Stromnetzes im Grefrather Westen, wird die elektrische Energie von 110.000 auf 10.000 Volt transformiert und von dort in die Ortsteile verteilt. Die Umbauarbeiten gleichen einer „Operation am offenen Herzen“ – und haben nun begonnen. Im Mai starteten die Arbeiten am 50 Jahre alten Umspannwerk in Schaphausen. Der Betrieb läuft währenddessen weiter.
Zuerst mussten per Tiefbauarbeiten Kabel sondiert werden. Danach waren sämtliche Leitungen an der Reihe: Alle wurden erneut vermessen, markiert und alles, was nicht mehr benötigt wird, entfernt. „Im Gebäude befindet sich auf beiden Seiten jeweils ein Anlagenblock“, erklärt Daniel Lohmöller, der bei den Gemeindewerken unter anderem für die Netzsteuerung zuständig ist und die Sanierung des Umspannwerks als Projektleiter koordiniert. Eine Staubschutzwand in der Mitte trennt die Anlagenblöcke nun voneinander.
Im ersten Schritt spannungsfrei
Zunächst werden alle Kabel im linken Anlagenblock getrennt und anschließend auf den noch aktiven Block umgelegt. So kann ein Teil vollständig spannungsfrei geschaltet werden. Der linke Block wird anschließend ausgebaut und durch eine komplett neue Schaltanlage ersetzt, die Feld für Feld aufgebaut und angeschlossen wird. „Heute kann man auf der gleichen Fläche mehr Felder nebeneinander bauen. Früher wurde anders isoliert, und es mussten größere Abstände eingehalten werden. Die Umgebungsluft dient zur Isolation der hohen Spannungen. Heute lässt sich das kompakter realisieren“, erklärt Daniel Lohmöller.
In einer zweiten Phase, gegen Ende des Jahres, wird dann der zweite Block gleichermaßen ausgetauscht. „Wir haben das Schritt für Schritt geplant und werden genau nach Plan umbauen, damit die Versorgungssicherheit jederzeit gewährleistet ist“, so Lohmöller.
Digital und aus der Ferne steuerbar
Im Gebäude entsteht so eine vollständig erneuerte, digitalisierte Umspannanlage. Künftig können dort nicht nur alle Daten erfasst werden, sie lässt sich auch aus der Ferne steuern. Die Erneuerung des Umspannwerks ist Teil einer umfassenden Investitionsstrategie der Gemeindewerke: Rund fünf Millionen Euro fließen in verschiedene Maßnahmen, um das Stromnetz sicher und zukunftsfähig zu gestalten.
- Zahlreiche neue Leitungen sorgen künftig dafür, dass hier noch mehr Strom aus erneuerbaren Energien ins Netz aufgenommen werden kann.
- Tür an Tür – in der Umspannanlage Schaphausen war die alte Technik dahinter verborgen.
- Dank moderner Technik lässt sich das Umspannwerk besser steuern – auch aus der Ferne.
Warum modernisieren?
Die Modernisierung ist notwendig, weil sich nicht nur die Technik weiterent-wickelt hat, sondern sich auch die Verbrauchsstrukturen verändert haben. Früher sorgten zum Beispiel große Industriebetriebe in Oedt für eine hohe Stromabnahme. Dafür wurden vier 10.000-Volt-Leitungen von Schaphausen nach Oedt verlegt, die heute in diesem Umfang nicht mehr benötigt werden. Zwei dieser Leitungen werden inzwischen anderweitig genutzt und binden unter anderem große Einspeiser wie die Biogasanlage in Mülhausen an, sodass das Netz mehr Leistung aufnehmen kann.
Ein weiterer Baustein ist die Erneuerung der Schaltanlage an der Straße Gurt in Oedt, die bereits weitgehend abgeschlossen ist. Früher gab es dort sogar eine eigene Umspannanlage mit zwei Transformatoren – heute ist das nicht mehr erforderlich. Dennoch bleibt der Standort ein wichtiger Energieknotenpunkt. Durch die veränderte Netzstruktur und stillgelegte Leitungen gewannen die Gemeindewerke Platz und konnten einen stark sanierungsbedürftigen Gebäudeteil abreißen. „Die Technik ist ähnlich aufgebaut wie in Schaphausen – künftig läuft alles über ein System“, erklärt Lohmöller.
Alle Daten schnell verfügbar
Die fortschreitende Digitalisierung des Stromnetzes ist notwendig, um auch künftige Anforderungen zuverlässig zu erfüllen. Während früher ein zentrales Kraftwerk viele Verbraucher versorgte, gibt es heute zahlreiche dezentrale Stromproduzenten, deren Einspeisung oft schwer vorhersehbar ist. Umso wichtiger ist es, alle relevanten Verbrauchs- und Einspeisedaten schnell verfügbar zu haben, um Kraftwerke bedarfsgerecht zu- oder abschalten zu können – und so die Stabilität des Netzes zu sichern.




